Zugtouren

 

Zugtour ins Unbekannte und Königswürde bei den Unersättlichen

Seit Gründung der Unersättlichen im Jahre 1981 war es Brauch, einmal jährlich eine Tour über ein verlängertes Wochenende zu unternehmen. Mit Partnern ging man dann auf die Reise und das Ziel der Tour war immer ein lange gut gehütetes Geheimnis. Wer immer sich in späten Stunden einer Zugversammlung nach langem Zureden auch bereit erklärt hatte, die Zugtour auszurichten, zu planen - er ließ es sich nicht nehmen, seine Freunde lange Zeit darüber im Unklaren zu lassen, wohin denn eigentlich die Reise gehen sollte. Die Spannung gehörte mit dazu und so kam es auch schon mal vor, dass Reisepässe (in der Zeit vor der EU-Erweiterung) von allen gefordert wurden (Polen als Ziel wurde geschickt kolportiert). Wenn man dann in den Bus am Treffpunkt in Kaarst stieg, war alles gespannt und einer leichenblass als der Bus dann tatsächlich in Mönchengladbach am Terminal des Flughafens hielt: Flugangst war das Zauberwort und Schweiß floss in Strömen. Nach bangem Warten und Gesprächen mit dem Piloten vor einer "passenden" 20-sitzigen Maschine ging es dann doch per Bus weiter und wir landeten - an der Mosel. Die Kopien der Passfotos waren als Reservierungsanzeige an den Pensionstüren angebracht und polnisch wurde allenfalls zu vorgerückter weinseliger Stunde gesprochen.

Irgendwann kam dann das Königsschießen dazu. Die Kombination von fröhlicher Zugtour und entspanntem aber hartem Wettkampf gefiel allen so gut, dass es eine Tradition wurde, den Zugkönig der Unersättlichen auf der Zugtour auszuschießen. Holzvögel und Luftgewehr gehörten seit jener Zeit zur Grundausstattung einer jeden Zugtour. Die Krönung am Abend des gelungenen Schusses fiel - je nach Lokalität und Landsmannschaft in der man sich gerade befand - immer wieder anders aus. Auf diese Weise wurde ein Stück unseres Brauchtums in viele Zielorte innerhalb einer Fahrtzeit von 2 - 3 Busstunden gebracht. Und spontane Krönungen, mit den vorhandenen Mitteln des jeweiligen Ortes auskommend, haben uns, aber auch den Zuschauern immer wieder gezeigt, wie viel Spaß, Toleranz und auch tieferer Sinn in dem vermeintlichen Spiel "Schützenkönig" stecken kann.

Dem Motto des Zuges, die Partner soweit als möglich immer einzubeziehen steht es natürlich gut zu Gesicht, parallel zum Zugkönig der Unersättlichen immer auch eine Zugkönigin auszuschießen. Die Beiden sind dann ein "Paar auf Zeit" und genießen nicht nur am Abend des Schießens die volle Aufmerksamkeit der Unersättlichen.

P.L.